So, hier ist also nun mein erster Bericht. Er handelt von meinem ersten Tag in der Türkei, den ich in İstanbul verbrachte, da ich ja nicht nach Ankara sondern nach İstanbul gefolgen war, weil es so billiger war. Hier also mein Bericht:
16. August 2008
Am Morgen dieses Samstages wachte ich erst mal auf und mir wurde sofort klar, dass viel von der abendlichen Anspannung durch einige Stunden Schlaf vergangen war. Ich erfragte mir erst mal den Weg zum Frühstück, das auf dem Dach des Hostels statt fand, wo ich übernachtet hatte. So sah ich erstmals bei Tag die ganzen Ausmaße, aber auch die ganze Schönheit Istanbuls. Als Europäer ist gerade bei einem solchen Blick über eine große Stadt, aber, wie ich später feststellen sollte auch einfach so auf der Straße, eine der befremdlichsten Dinge die Tatsache, dass das Stadtbild nicht von Kirchen und ihren Kirchtürmen bestimmt wird, sondern gerade in Istanbul von unzähligen Moscheen und ihren vielen Minaretten! So wird schon mal deutlich, dass sich niemals vollstaendig von seinen (wie es immer so schön heißt) „christlich-jüdischen Wurzeln“ befreien könnte. Der Blick über diese Stadt und den sich im Bosporus berührenden Meeren (Marmarameer und Schwarzes Meer) war einfach überwältigend!
Nach dem Frühstück sprach ich mich erst mal mit Nezih (einem türkischen Freund von mir, den ich auf dem Conflict Handling Training Seminar in Passau kennen gelernt hatte) ab und verabredete mich mit ihm um 11 Uhr vor der Hagia Sophia, einem der Wahrzeichen Istanbuls. So machte ich mich auf den Weg. Ich kam ziemlich bald bei einer Moschee an, die sich aber als die blaue Moschee herausstellte. Es war bereits sehr heiß, doch ich musste mich trotzdem auf den Weg zu der anderen, der rötlichen Moschee machen, die ungefähr 500 Meter gegenüber der blauen Moschee liegt. Nach kurzer Zeit kam Nezih und wir kauften erst mal was zu trinken und Sonnencreme für mich. An diesem Tag besichtigten wir vieles; wir saßen in einem Park bei einem historischen Palast (ich habe leider den Namen vergessen), waren in insgesamt drei Moscheen und waren am Bosporus. Eine Besonderheit an Istanbul, die wahrscheinlich gerade Menschen aus Deutschland extrem auffällt ist die Tatsache, dass es unheimlich viele historische Gebäude gibt, da diese Stadt in der neueren Geschichte nie einer großen Zerstörung ausgesetzt war. Mindestens ebenso atemberaubend war es für mich, das erste mal eine Moschee von innen zu sehen. Die erste Moschee in der wir waren war die blaue Moschee (man musste übrigens keinen Eintritt bezahlen, egal ob Tourist oder Gläubiger!), die unter anderem wegen ihrer großen Zahl an Minaretten, nämlich sechs, bekannt ist. Am Eingang musste man natürlich erst einmal seine Schuhe ausziehen, da man die Moschee nicht mit dem Straßendreck betreten darf. Am Eingang standen zwei große Pappkartons mit Unmengen an Plastiktüten, in die man die Schuhe reintun konnte. Drinnen angekommen war ich erst mal wieder überwältigt. Denn der Innenraum der Moschee war riesig, da fast keine Räume abgetrennt sind und man dazu noch von unten in alle Kuppeln hineinsehen kann. Die Moschee wirkte unheimlich gemütlich, da von dem Steinboden nichts zusehen war, da dieser überall mit einem großen roten Teppich abgedeckt war. So konnte man in der ganzen Moschee einfach kreuz und quer rumlaufen, sich hinsetzen, verweilen, sich unterhalten, all das war möglich. Allerdings waren Touristen dazu aufgerufen den Teil, in dem die Leute beteten, nicht zu betreten, um diese nicht zu stören. Doch Nezih meinte, wir könnten uns ruhig darüber hinwegsetzen, solange unser Verhalten die Leute nicht stören würde. Er erklärte mir, dass es bei diesem Verbot vor allem darum ginge zu verhindern, dass die Betenden (Männer) durch Menschen (das Beispiel waren Frauen (-touristen) mit tiefem Ausschnitt), die die Betenden fotografieren, abgelenkt und in ihrer Konzentration gestört werden. Ich fragte ihn daraufhin, ob Frauen auch Moscheen zum Beten betreten dürfen und als er dieses bejahte wollte ich wissen, warum Frauen und Männer beim Beten getrennt sein sollen, sodass Frauen nicht direkt in diesem großen Innenraum beten konnten, sondern dafür auf Extraemporen oder Nebenbereiche mussten. Seine Antwort aenderte zumindest meinen Blickwinkel: Er erklärte mir, dass dies vor allem mit dem Körperkontakt beim Gebet zusammenhängt. Es leuchtete mir durchaus ein, dass unter der Prämisse, dass die Betenden nicht durch sexuelle Gedanken von ihrem Gebet abgelenkt werden sollen, zumindest ansatzweise Sinn macht, die Geschlechter zu trennen. Mein Gefühl der Ungleichbehandlung von Männern und Frauen konnte dies allerdings trotzdem nicht absolut beseitigen. Den Gedankengang fand ich trotzdem interessant…
Nach diesem Besuch in der Moschee machten wir uns auf den Weg zu einem Freund von Nezih, der in einem Zentrum zur Unterstützung studentische Belange arbeitet und gleichzeitig noch Imam ist. In diesem Zentrum wollten wir dann auch Mittag essen, da es dort für alle Studenten umsonst (!) Essen gab! Es war sehr nett und das Mittagessen (mein erstes richtiges türkisches essen, war sehr lecker und ich lernte auch gleich etwas. Ich trat nämlich ungewollt in ein Fettnäpfchen, als ich Nezih, weil ich absolut nicht mehr konnte die Hälfte von meinem Nachtisch anbot mit der Aussage ich könnte nicht mehr. Später lernte ich, dass es hier eine grobe Unhöflichkeit ist, Essen, dass einem angeboten wurde, das man also nicht bezahlt hat und das man angenommen hat, nicht aufzuessen.Glücklicherweise nahm mir das aber niemand übel…
Nach diesem Mittagessen gab es erst mal türkischen Tee, ein Getränk (übrigens auch schwarzer Tee so wie in Ostfriesland), das hier richtig viel konsumiert wird und bei dem man, oft nach dem Essen, einfach gemütlich zusammensitzt, sich unterhält, usw.
Es würde wahrscheinlich zu lange dauern, alles so ausführlich zu beschreiben, doch die geschilderten Erlebnisse waren definitiv auch die interessantesten an diesem Tag. Das heißt natürlich nicht, dass es gar nichts mehr zu berichten gäbe. Wir waren, wie bereits erwähnt am Bosporus, was natürlich schon auch toll war. Noch toller war allerdings als wir danach zu dem laut Nezih besten Baklavageschäft der gesamten Türkei gingen und Baklava mit Eiscreme aßen. Nur zur Erklärung da ich auch lange nicht wusste, was Baklava ist: Baklava ist Blätterteig der mit einer Pistaziencreme gefüllt, frittiert und schließlich mit einem Guss Honig überzogen wird. Lecker!
Am Abend kauften wir dann noch ein Ticket für einen Nachtbus nach Ankara, da mir wegen der Hitze davon abgeraten wurde tagsüber zu fahren. An diesem Tag habe ich wirklich viel gesehen und ich glaube ich habe erst in dem Moment wirklich realisert, dass ich in der Türkei bin.
Thursday, August 28, 2008
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