Sunday, September 14, 2008

Überleben auf den Straßen Ankaras

Hallo mal wieder,

da ich inzwischen seit einem Monat hier bin, beginne ich deutlicher zu merken, was genau die Unterschiede sind, die das Ungewohnte ausmachen. Das ist natürlich ein langer Prozess, so möchte ich mich erstmal einer Sache widmen, wo der Unterschied zu Deutschland augenscheinlich ist und der auch eine gewisse Art der Gewöhnung erfordert, nämlich das Verhalten im Straßenverkehr.

In Deutschland gibt es ja sehr deutliche Regeln für den Straßenverkehr und jeder verlässt sich auch darauf, dass diese eingehalten werden. Ein gutes Extrembeispiel ist die komische Situation, wenn Menschen an einer roten Fußgängerampel stehen bleiben, obwohl weit und breit kein Auto in Sicht ist.

Hier in Ankara ist das geringfügig (!) anders. Selbstverständlich gibt es auch hier Regeln, der Unterschied ist aber, dass im Straßenverkehr diese weder besonders erwartet, noch durchgesetzt, noch dass ihre Einhaltung von anderen Verkehrsteilnehmern erwartet würde. Rote Ampeln (auch für Autos) werden gerne mal überfahren, wenn es frei ist und man kann definitiv nicht erwarten, dass Autos für Fußgänger anhalten. MAn muss halt warten bis kein Auto kommt oder bis zu einer Ampel laufen...

Dazu ist es im Straßenverkehr auch deutlich lauter als bei uns. Das liegt an verschiedenen Faktoren, doch der Hauptfaktor ist mit Sicherheit der exessive Einsatz der Hupe. Mein Eindruck ist, dass die Hupe hier nicht als Warnsignal eingesetzt wird, sondern eher allgemeines Kommunikationsmittel im Straßenverkehr ist. Um sich zu grüßen, um potenzielle Fahrgäste (z.B. bei Taxis, von denen es echte Massen gibt) auf sich aufmerksam machen oder auch einfach, um dem Frust im Stau mal Luft zu machen. Hier käme garantiert auch niemand auf die Idee, dass man für unnötiges Hupen eine Geldstrafe bezahlen muss. Wieder einmal fällt mir auf, wieviel des Alltagsleben in Deutschland genau reguliert ist, während hier das halt so gemacht wird, wie es gerade passt. Für mich bedeutet das am Anfang so manchen Schreck, wenn zum Beispiel ein Auto nochmal Gas gibt, wenn es sich einem nähert, während man die Straße überquert, doch es scheint mir, für die Menschen hier ist das absolut kein Problem und letztlich passiert wahrscheinlich nicht mal wirklich mehr, da niemand damit rechnet, dass die Regeln eingehalten werden. Auf jeden Fall sehr interessant!

Interessant ist auch die Art und Weise, wie man sich hier fortbewegt. Erstmal gibt es zwei U-Bahnlinien (die eine heißt Metro, die andere Ankaray) und Busse und Taxis. Doch darüber hinaus gibt es etwas, was ich einfach nur genial finde; nämlich Dolmuse (gesprochen Dolmusche). Das sind Kleinbusse, die auf festgelegten Routen fahren, aber überall anhalten, wo ein Fahrgast ein- oder aussteigen will. Das ganze ist also eine sehr schnelle und effiziente Fortbewegungsmethode. Selbstverständlich, wird beim Losfahren nicht darauf gewartet, bis alle lange aus- oder eingestiegen sind und bezahlt haben. Das bezahlen geschieht während der Fahrt. Die Dolmus-Fahrer sind definitiv multitaskingfähig. So wird der Kleinbus mit einem Ellenbogen gelenkt, während er das Wechselgeld herausgibt und dabei noch zuhören muss, was die Leute sagen, für wieviele Personen bezahlt wird. Es ist sowohl vergnüglich als auch effizient Dolmuse zu benutzen und es ist auch kaum teurer als die Fahrt mit dem Bus. Eine Fahrt mit dem Bus kostet umgerechnet ca. 65 Cent; eine Fahrt mit dem Dolmus ca. 80 Cent. Aber das System funktioniert auf jeden Fall, auch wenn die Straßen zu bestimmten Zeiten eindeutig überfüllt sind. Aber es ist tatsächlich etwas, wo man einen deutlichen Unterschied zwischen Deutschland und der Türkei ausmachen kann.
Soweit mal wieder erstmal viele liebe Grüße!



PS: Hier auch nochmal ein Bild von einem Dolmus:-)


No comments: