Sunday, September 7, 2008

Mein Leben im Wohnheim

So, jetzt auch mit Text :-)
Nachdem ich nun meine erste Woche in dem Wohnheim hier auf dem Beytepe Campus meiner Universität hier in Ankara (Hacettepe) verlebt habe, hier nun ein wenig zu meinem Eindruck vom Leben in einem türkischen Wohnheim. Doch dazu zunächst ein paar grundlegende Gedanken.
Meines Erachtens gibt es in einer Gesellschaft bei sehr vielen Themen immer eine erzwungene Abwägung zwischen Sicherheit und Freiheit. Beides ist nicht zu bekommen, so ist immer eine Gewichtung dieser beiden Dinge vonnöten, bei der eine starke Gewichtung des Einen immer eine schwache Gewichtung des Anderen nach sich zieht. So müssen Eltern sich zum Beispiel entscheiden, wie weit sie, um ihrem Kind eine gewisse Selbstständigkeit zu ermöglichen, auf eine zu große Kontrolle oder auf ein zu großes auf-das-Kind-Aufpassen, verzichten, dadurch aber auch das Risiko erhöhen, dass ihrem Kind etwas passiert.
Was den Umgang mit Studenten hier angeht, ist mein bisheriger Eindruck, dass es eine extrem hohe Gewichtung der Sicherheit gibt und dafür durchaus den StudentInnen gewisse Freiheiten genommen werden, die in Deutschland selbstverständlich sind. Während in Deutschland ein Wohnheim im Prinzip nichts weiter als eine günstige Wohngelegenheit für Studenten ist, erfüllen die Wohnheime hier in der Türkei darüber hinaus noch eine Fürsorge- und/oder eine Kontrollfunktion. Um diese zu erfüllen werden auch klare Regeln aufgestellt: So muss ich immer um 12 Uhr "zuhause" sein und darf nur Freitags und Samstags bis zwei Uhr dem Wohnheim fern bleiben. Es gibt am Eingang des Wohnheims automatische Drehkreuze, durch die man nur mithilfe des Studentenausweises (der auch eine Chipkarte enthält, auf der Foto und Name, usw. gespeichert sind) gelangen kann. Außerdem gibt es da noch einen Wachdienst an diesem Drehkreuz, der rund um die Uhr aus mindestens einem Sicherheitsbeamten besteht. Wenn man mal für ein paar Tage wegfahren will, muss man das im Voraus anmelden. Darüber hinaus sind männlich und weibliche Studierende sehr effektiv getrennt, da sie in unterschiedlichen Häusern leben und Personen des anderen Geschlechts die jeweils anderen Häuser auch nicht betreten dürfen. Soviel zu den Regeln, die sich natürlich von Wohnheim zu Wohnheim unterscheiden (in manchen Mädchenwohnheimen müssen die Bewohnerinnen z.B. sogar schon um 11 zuhause sein), aber ansatzweise überall in der Türkei so oder so ähnlich existieren.
Ansonsten teilen sich immer zwei bis vier Personen ein Zimmer (in meinem Zimmer wird ab Ende September noch ein anderer Deutscher leben). Die Zimmer sind eher spärlich eingerichtet, aber groß genug. Ansich gibt es überall auch W-Lan, aber in meinem Zimmer funktioniert das bisher noch nicht so. Die Leute hier sind alle total nett (sowohl das Wachpersonal als auch die paar Studenten, die bisher da sind), sodass ich im Prinzip jeden Abend mit ein paar Leuten zusammensitze und Tee trinke. Das gefällt mir natürlich sehr gut und hilft mir sehr dabei, vieles hier kennen zu lernen.
In die Stadt (zum Beispiel im Moment zum Sprachkurs) ist es sehr weit (14 km), aber sobald die Vorlesungen anfangen, werde ich wohl sowieso nicht mehr viel in die Stadt hineinfahren, da es hier auf dem Campus alles soweit gibt; Supermarkt, Sportanlagen, usw.
Insgesamt gefällt es mir hier ziemlich gut, auch wenn es mit nicht gerade gefällt, so sehr kontrolliert zu werden und damit ja auch für nicht wirklich unabhängig anerkannt zu werden. Wie man sieht ist hier also die Sicherheit sehr viel wichtiger als die Unabhängigkeit oder Freiheit, alles nur selber zu bestimmen, so wie es ja bei deutschen Wohnheimen doch ziemlich stark ausgeprägt ist (Oder wie seht ihr das?). Allerdings habe ich auch schon von zwei Mädchen gehört, die hier abends nach 12 Uhr auf der Straße ziemlich penetrant belästigt wurden. Also macht es vielleicht tatsächlich Sinn, um diese Zeit nicht mehr draußen zu sein. Aber das kann ich bisher zumindest noch nicht abschätzen…
Soweit erst mal zu meinem ersten Eindruck von meinem Wohnheim, vielleicht dazu irgendwann noch mal mehr…

1 comment:

Topha said...

Ja, äh, wo isser denn der Text zum Wohnheim?