Hallo!
Nun mal wieder ein Eintrag zu einem bestimmten Thema. Ich möchte gerne darstellen, was, meinem Eindruck nach, hier Themen sind, die für Türken emofindliche Punkte darstellen. Es ist klar, dass sich das von Person zu Person unterscheidet, doch ich möchte mich hier auf wenigstens drei größere Themen konzentrieren: Atatürk, Armenien und die Kurdenfrage/PKK (wobei das mit Sicherheit nicht gleichzusetzen sind). Hier mein Beitrag zu Atatürk:
Atatürk:
Ich habe ja vorher schon einmal ein wenig über Atatürk geschrieben, zum Beispiel, dass "Atatürk" VAter der Türken heißt, dass er es war, der die türkische Unabhänhigkeitsbewegung zwischen 1918 und 1923 sowohl politisch als auch militärisch angeführt hat, dass er es war, der den Türken ihre Sprache auch als Schriftsprache gebracht hat, das die Türkei ihm ihre bis heute in der Verfassung verankerte Säkularität zu verdanken hat und so manches mehr.
Man sieht, es gibt auch aus der Sicht von außen einiges, was man Atatürk mögen kann, aber definitiv zumindest als große und in vielen Punkten auch fortschrittlich anerkennen sollte!
Für viele Türken ist Atatürk mehr als ein guter Politiker und Militärstratege, er ist wirklich so etwas wie ein Vater! Dementsprechend ist es auch per Gesetz verboten, Atatürk zu beleidigen. Man könnte sagen, ebenso wie es die Moral verbietet den eigenen Vater zu beleidigen. Hier übrigens ein interessanter Hinweis, soweit ich weiß, ist es nicht verboten Atatürk zu kritisieren, sondern nur ihn zu beleidigen, ein kleiner aber feiner Unterschied. Allerdings passiert es quasi nicht öffentlich, dass Atatürk kritisiert wird und für viele Türken (so zumindest mein Eindruck) ist Atatürk fast mehr als ein Mensch, sodass Kritik schon zur Beleidigung werden kann. Das heißt nicht, dass alle türken Atatürk lieben (insbesondere sicher so manche der Regierungspartei AKP, der eine sehr islamische Ausrichtung vorgeworfen wird, sehen Atatürk in keinem rein posotven Licht), doch es gehört sich einfach nicht, eine solche Kritik öffentlich zu äußern.
Das ist natürlich nicht einfach für mich nachzuvollziehen, da meine Ansicht über Menschen und insbesondere über Politiker, die ist, dass niemand alles richtig machen kann, selbst wenn er oder sie noch brillant ist. Das habe ich in einer Diskussion in meinem brüchigen Türkisch von vor mehr als einem Monat mal versucht zu erklären, und sagte etwas in die Richtung "vielleicht hat Atatürk 99 Sachen richtig und 1 falsch gemacht" und es war eine Frage von Sekundenbruchteilen bis ich gefargt wurde, was Atatürk denn bitte falsch gemacht hätte. Dementsprechend hielten es zumindest einige meiner Bekannten hier auch durchaus für richtig, dass Youtube hier für über zwei Monate vollkommen gesperrt war (inzwischen ist es wieder offen), nur weil es dort Atatürk beleidigende Vidoes gab, die irgendwelche Griechen hochgeladen hatten.
Was denkt man, wenn man diese Dinge über die Türkei hört? Ich habe auf jeden Fall gedacht, dass es ein Beschneiden der Meinungsfreiheit ist und es hat mich erstmal dazu bewogen, alles, was Atatürk gemacht hat, immer erst mit einem kritischen, vielleicht auch überkritischen Auge anzusehen! Wenn man aber mit Menschen (und das ist möglich, wenn man sich nicht gerade plump anstellt und diplomatisch vorgeht), bekommt auch eine relativierende Sicht auf das Ganze.
Ich habe erstmal dazu geneigt zu denken, man müsse doch nicht so extrem empfindlich in Bezug auf ein historisches Ereignis sein, dass inzwischen schon 70 JAhre her ist (Atatürk starb 1938 an Leberzirrose). Doch wenn man kurz nachdenkt, fällt einem auch ein historisches Ereignis in Deutschland ein, dass mehr als 60 Jahre her ist, das uns aber trotzdem auch nach wie vor emotional stark beeinflusst und über das wir in der Öffentlichkeit nicht alle Meinungen zulassen, nämlich die Nazizeit.
Wenn man ein bisschen länger darüber nachdenkt, gibt es in der Emotion einige Parallelen. Zwar ist es im türkischen Fall eine positive und im deutschen FAll eine negative Emotion, doch beide sind nach wie vor sehr stark (würde ich zumindest mal behaupten). Ich habe hier schon zwei bis dreimal erleben müssen, wie jemand zu mir den Hitlergruß gemacht hat, und es gab kaum etwas, was mich mich bisher hier mehr verletzt hat. Denn bei mir hat dieses Nicht-respektieren meiner negativen Gefühle (wie zum Beispiel Scham) in Bezug auf die NAzi-Zeit, eine starke emotionale Bedeutung. Überempfindlichkeit???
Hier wird mir auch oft entgegengehalten, in Deutschland würden bestimmte Meinungen auch unterdrückt, Internetseiten geschlossen, usw, nämlich die, die behaupten, das in der Nazizeit war alles anders und damit im Prinzip unser Gefühl, dass wir in Bezug auf diese Zeit haben, beleidigt. Das Verbot der Falsch-Darstellung dieser Zeit ist auch in unserer Verfassung festgehalten.
Ich möchte an dieser Stelle, wie sonst auch in diesem Blog, nicht priorität eine Meinung vertreten, ich möchte nur meine Eindrücke und die Gedanken, die ich mir dazu mache, darstellen.
Wenn ihr eine andere Sicht auf das Ganze habt, schreibt doch gerne mal einen Comment, sodass wir darüber dann diskutieren können...:-)
Erstmal viele liebe Grüße!
Hier noch zwei Fotos
Mein türksicher Freund Emrah und ich neben ein Büste von Atatürk (übrigens in einem Militärmuseum unter einem Erinnerungsmahl für die toten Soldaten einer Schlacht des türkischen Unabhängigkeitsbemühungen):
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